Torger Christian Wolff, bekannt unter dem Künstlernamen Toto. Manager , Rennfahrer, Geschäftsführer von Mercedes AMG F.1, Mehrsprachiger: Er spricht natürlich Deutsch, da er Österreicher ist, und hat eine Leidenschaft für die italienische Kultur und die italienische Küche. Seine Anfänge als Rennfahrer im GT-Sport machte er am Steuer der Porsche des Redolfi-Teams aus Pedrengo bei Bergamo. Daher rührt seine Kenntnis des Italienischen und des Bergamasker Dialekts, aber auch des Polnischen, Französischen, Spanischen und natürlich des Englischen.
Wenn man bedenkt, dass ein französischer Manager, Fred Vasseur, seit fast fünf Jahren bei Ferrari ist und kein Wort Italienisch spricht, fällt der sprachliche – ebenso wie der sportliche – Vergleich eindeutig zugunsten von Wolff aus. Die beiden unterscheiden sich stark in ihrer Art, den Rennsport, zwischenmenschliche Beziehungen und geschäftliche Angelegenheiten zu handhaben. Und doch verstehen sie sich gut, so gut, dass Vasseur sogar Trauzeuge bei Toto Wolffs Hochzeit war. Seit über 25 Jahren sind sie befreundet, doch der Verrat zwischen den beiden vollzog sich Anfang 2025, als Vasseur Wolff anrief und ihm mitteilte, dass er Hamilton zu Ferrari geholt habe. In diesem Moment hat Toto Wolff ihn vielleicht daran erinnert, dass Vasseur auf der Hochzeitsfeier nach ein paar Gläsern zu viel eine Plastikblume gegessen hatte, in der Überzeugung, es handele sich um eine Beilage zur Hochzeitstorte. Das heißt, vielleicht war es ein alkoholbedingter Scherz. Stattdessen war es wahr.
Mit einem Nettovermögen von über 2,7 Milliarden Dollar (Forbes-Ranking 2026) verkörpert Toto Wolff die Geschichte eines Mannes, der sich trotz aller Widrigkeiten des Lebens aus eigener Kraft hochgearbeitet hat. Als Waisenkind musste er die Ärmel hochkrempeln und sich alles Mögliche einfallen lassen, um zu überleben. Seine Leidenschaft für den Rennsport führte ihn zum Grand Prix mit Porsche, und hier begann ein weiteres unglaubliches Abenteuer mit den Fahrzeugen des Teams von Orlando Redolfi.
In der Gegend um Bergamo ist es im Winter bekanntlich kalt, feucht und regnerisch. Es gibt nur eine Möglichkeit, mit solchen Wetterbedingungen umzugehen: Ein guter Grappa, und schon verfliegt die Kälte in der Seele. Diese Methode funktionierte offenbar auch auf andere Weise.„Ich erinnere mich, dass ich meine Rundenzeiten nicht verbessern konnte“, erzählte uns Toto, während er auf dem Sofa im Motorhome saß und sich an jene Zeiten erinnerte.„Da kam Orlando, sagte mir: ‚Nimm den Helm ab‘, und fügte dann im Bergamasker Dialekt hinzu: ‚Bif che ta tiret giò u second‘, trink, dann sparst du eine Sekunde pro Runde. Es war ein großes Glas reiner Grappa; ob ich die Runde tatsächlich verbessert habe, weiß ich nicht mehr, aber jedes Mal, wenn ich in Italien oder in Bergamo bin, bringt mir Orlando eine Flasche von diesem Grappa mit.“
Das tat er auch vor ein paar Jahren, als wir ihn während einer Pressekonferenz mit den technischen Verantwortlichen im Mercedes-Wohnmobil antrafen. Abseits in einer Ecke saßen Orlando mit der Flasche Grappa und Toto auf dem Sofa und unterhielten sich im Bergamasker Dialekt über die Ereignisse.
Als gescheiterter Rennfahrer erkannte Wolff eine wichtige Sache: Im Motorsport kommt man ohne Geld nicht weit. Er ging ein Risiko ein, erwarb Anteile an Williams F.1, die er später mit einem hohen Gewinn weiterverkaufte, bis er schließlich die Leitung des Mercedes-AMG-F.1-Teams übernahm. Nicht als Teamchef, nicht als Angestellter, sondern als Miteigentümer des Teams. Das ist nur wenigen gelungen.
Heute hat Toto Wolff mitKimi AntonellisWeltmeisterschaftstitel eine weitere Wette gewonnen.Er hat es geschafft, einen Jungen vom Kart-Sport bis zur Formel-1-Weltmeisterschaft zu bringen, und damit gezeigt, dass er das richtige Gespür, den nötigen Verstand und das nötige Maß an Risikobereitschaft besitzt – und dass er diese Risiken mit gutem Grund eingeht.„Ich bin Wolf und ich löse Probleme“war ein berühmter Satz aus dem Film „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino. Aus dem Mund von Harvey Keitel hatte dieser Satz eine bestimmte Bedeutung, aus dem Mund von Toto (Wolff mit dem doppelten F am Ende seines Nachnamens) bekommt er nun eine andere Bedeutung. Mr. F1: sechs Weltmeistertitel mitLewis Hamilton, einer mitNico Rosberg, einer mitKimi Antonelli sowieweitere acht Konstrukteurs-Weltmeistertitel–alle unter dem Namen Mercedes AMG F1 –, insgesamt also sechzehn Weltmeistertitel.
Vom gescheiterten Rennfahrer zum erfolgreichen Manager, verheiratet mit Susy Stoddart, ebenfalls eine ehemalige Rennfahrerin, bewegt er sich in Monte Carlo, wo er wohnt, mit jener Gelassenheit und Ruhe, dass er, wenn man ihm im Supermarkt begegnet – auch Manager essen jeden Tag –, einen grüßt, scherzt und sich wie ein ganz normaler Mensch verhält, genau wie alle anderen, auch wenn er es nicht ist. Er istder wahre Top-Manager der Formel 1, mit Weitblick, Leidenschaft und Intuition. Jemand wie er hat nur einen einzigen Makel: Er trägt kein rotes Outfit und befehligt nicht die Truppen vor Ort in Maranello. Sicherlich hätte er auch den romagnolischen Dialekt gelernt…
